CNRS dépasser les frontières

Fördert den Zugang zu den Ergebnissen aus den verschiedenen Fachgebieten der weltweiten Forschung

Projekt „Wissensmanagement und dessen Verbreitung“

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Im Rahmen der neuen Strategie des französischen Forschungszentrums CNRS auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Information (WTI) beschreitet das Institut für wissenschaftliche und technische Information (Inist) neue Wege. Mit einem vom Vorstand des CNRS am 10. Juni gebilligten Projekt, das dem „Wissensmanagement und dessen Verbreitung“ („Ingénierie des connaissances“) gewidmet ist, bietet das Inist Forschern und staatlichen Forschungseinrichtungen neue Serviceleistungen an. Das in Lothringen angesiedelte Institut wird mit diesem Projekt seine Bedeutung stärken und sich auf nationaler Ebene im Einklang mit der globalen Strategie des CNRS positionieren. Raymond Bérard, Direktor des Inist, hat sich den Fragen von CNRS Hebdo gestellt.

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Das „Institut de l’information scientifique et technique“ in Vandoeuvre-lès-Nancy (Departement Meurthe-et-Moselle) ist in einem vom Architekten Jean Nouvel entworfenen Gebäude untergebracht.

CNRS hebdo: Vor welchem Hintergrund wurde das Projekt 2014-2018 des Inist ausgearbeitet?

Raymond Bérard: Das Inist ist eine eigenständige Serviceeinheit des CNRS und untersteht der Direktion für wissenschaftliche und technische Information (DIST). Es wurde Ende der 1980er Jahr gegründet und hat sich mit den fachübergreifenden bibliografischen Datenbanken Francis und Pascal sowie dem Dokumentenlieferservice Refdoc, der sich hauptsächlich an die Privatwirtschaft, z. B. die Pharmaindustrie, richtete und an diese verkauft wurde, einen Namen gemacht. Seit einigen Jahren wurde dieses Modell in Frage gestellt, sowohl intern als auch außerhalb des Inist. Neben der Verurteilung, die zur Aussetzung von Refdoc im Dezember 2013 [1] geführt hatte, wurde das Angebot des Inist angesichts des zunehmenden Stellenwerts digitaler Medien nicht ausreichend erneuert.
Bei meinem Amtsantritt im Juli 2013 haben wir eine Bestandsaufnahme gemacht und uns an der Ausarbeitung des strategischen WTI-Konzepts im CNRS „Wissen besser gemeinsam nutzen“ („Mieux partager les connaissances“) beteiligt, das auf Initiative der DIST eingeleitet und im Dezember 2013 gebilligt wurde. Dieses strategische Konzept ist der Grundstein, auf dem wir unser eigenes Projekt mit dem Titel „Wissensmanagement und dessen Verbreitung“ aufgebaut haben. Am 10. Juni dieses Jahres wurde es vom Vorstand des CNRS validiert. Im Rahmen dieses Erneuerungsprozesses bot sich die Gelegenheit, zahlreiche Fachleute aus dem Inist sowie von unseren auf die wissenschaftlich-technische Information (WTI) spezialisierten Partnern an diesem Projekt zu beteiligen.

CNRS Hebdo: Wie sieht die neue strategische Positionierung des Inist aus?

R. B.: Das Inist sieht sich jetzt als eine Einheit des CNRS im Dienste der öffentlichen Forschung. Das ist eine radikale Kehrtwende. Mit anderen Worten, wir gehen von einem Konzept der industriellen Produktion, das darin bestand, Dokumentationen zu verkaufen, zu einem Servicekonzept über, das zum Ziel hat, die Anforderungen der Institute des CNRS und im weiteren Sinne des Hochschulwesens und der öffentlichen Forschungseinrichtungen im Bereich der wissenschaftlichen und technischen Information zu erfüllen. Die Privatwirtschaft wird keinen Zugriff mehr auf Refdoc haben, kann aber immer noch zum Beispiel Beobachtungsstudien in Auftrag geben. Mit anderen Worten, unsere Politik wird nicht mehr von dem Bestreben geleitet, Umsatz zu machen.
Im Dienste aller Forscher zu stehen bedeutet für das Inist, seine Aufträge im Rahmen von Partnerschaften durchzuführen. Auf nationaler Ebene tragen wir bereits aktiv zu den Arbeiten der Digitalen Wissenschaftlichen Bibliothek (BSN) bei, möchten aber noch enger mit Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. Intern im CNRS wird die Partnerschaft mit den Instituten und allen Akteuren der wissenschaftlich-technischen Information (WTI) verstärkt. Zur Förderung dieses offenen Verwaltungsmodells wird ab Herbst 2014 ein Orientierungs- und Aufsichtsausschuss im Inist eingerichtet.

CNRS Hebdo: Welche konkreten Änderungen sind vorgesehen?

R. B.: Das Projekt des Inist beruht im Wesentlichen auf dem Ausbau von 14 wertschöpfenden Tätigkeiten. Sie sind unter drei Schwerpunkten zusammengefasst: Analyse der Information; Zugang zu Publikationen; Verbreitung der Information (siehe Schema). Allgemein werden wir den Ausbau der Serviceleistungen und der Kompetenzen fördern, die bereits im Inist vorhanden waren, aber sozusagen ein Schattendasein fristeten. Es handelt sich um Tätigkeiten wie Schulung, Übersetzung, digitale Publikation, Digitalisierung oder bibliometrische Studien, Terminologie, technische Dokumentation, aber auch erst jüngst aufgekommene Serviceleistungen wie die Aufwertung von aus der Forschung hervorgegangenen Daten.
Hinsichtlich des Zugangs zur Literatur erwarten die Forscher bedeutende Veränderungen. Die jetzigen CNRS-Portale müssen modernisiert werden: Sie müssen flexibler gestaltet werden, um eine fachübergreifende Suche und einen freien Zugang zu den Ressourcen zu ermöglichen. Sie müssen sich außerdem in die IT-Schnittstellen der Hochschulen integrieren lassen. Bezüglich der Dokumentenlieferung dürfte der Service Refdoc, der im Februar dieses Jahres erneut zur Einsicht freigegeben worden war, bis zum Herbst 2014 wieder in Betrieb genommen werden, aber nur für Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wobei der Zugang für die Einheiten des CNRS kostenlos sein wird.
Diese Änderungen beinhalten ein neues Wirtschaftsmodell für das Inist. In Kürze wird eine technisch und kommerziell orientierte Marktstudie eingeleitet, um die Verteilung der kostenlosen und gebührenpflichtigen Serviceleistungen festzulegen; sie betrifft im Übrigen alle WTI-Serviceleistungen des CNRS. Wir werden darauf achten, dass je nach Antragsteller unterschiedliche Tarife zur Anwendung kommen.

CNRS Hebdo: Welche Änderungen ergeben sich für das Personal des Inist?

R. B.: Die Umstellung des Inist auf diese neuen digitalen Aktivitäten setzt eine berufliche Weiterentwicklung von ca. 70 Mitarbeitern voraus. Im Juli wird ein Plan zur Umstrukturierung und Umschulung eingeleitet. Er umfasst eine lange Phase mit Einzelgesprächen, Sensibilisierungsmaßnahmen und praktischen Abschnitten, damit die Mitarbeiter herausfinden können, welche Tätigkeit sie am meisten interessiert. Für den Herbst sind ein neues Organigramm sowie ein Schulungsplan vorgesehen. Die Mitarbeiter dürften ihre neue Stelle am 1. Januar 2015 antreten. Die Belegschaft des Inist beläuft sich gegenwärtig auf 217 Mitarbeiter [2], und wir haben die Zusicherung erhalten, dass sich diese Zahl bis 2016 auf 200 stabilisieren wird.
CNRS Hebdo: Welchen Stellenwert hat das Inist in der Region Lothringen?
R. B.: Lothringen weist zahlreiche Vorteile im Bereich der WTI mit dem Schwerpunkt Language Engineering auf: Das Inist, sowie zahlreiche, auf diesem Gebiet spezialisierte Labors und zwei Zukunftsinvestitionsprogramme (Istex, ORTOLANG) sind der Beweis dafür. Vor diesem Hintergrund bietet das Inist eine Hardware-Infrastruktur, umfassendes Datenmaterial und das Know-how der WTI-Ingenieure. Die laufenden Partnerschaften betreffen die Entwicklung innovativer Technologien: Datenverarbeitung, Know-how im Bereich der Metadaten, Terminologie, semantisches Web etc. Die aktuellen Synergien sind so vielversprechend, dass wir planen, uns an dem Zukunftsinvestitionsprogramm „Wissensmanagement und dessen Verbreitung“ mit der Universität Lothringen und anderen regionalen Partnern zu beteiligen.
Das Gespräch führte Claire Debôves für CNRS-Hebdo.

Das INIST in Zahlen

  • 217 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalent)
  • Jahresbudget 2013: 11 Millionen Euro (davon 10 Millionen Euro für Akquisitionen)
  • 46.000 abonnierte Forscher
  • 54 Websites
  • 7 bibliografische Portale (BiblioSHS, BiblioPlanets, BiblioVie etc.)
  • 6.561 zugängliche Zeitschriften
  • 4.395.305 heruntergeladene Artikel im Jahr 2013
  • 591.385 übersetzte Wörter

Die 14 vom Inist für das Hochschulwesen und Forschungseinrichtungen angebotenen Serviceleistungen

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